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← Die Legende der Tapferen vier
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Prolog

                                                                                                                                                            

Ganz am Anfang, in einer unendlich erscheinenden Dunkelheit, in der nichts existiert, ausser einem geisterartigen Drachen, welcher in allen bekannten und noch unbekannten Farben schimmert, und seinen beiden Weggefährten, einer aus reinen Flammen bestehenden Frau, die auf den Namen die Flamme Sonja, "Göttin der Entstehung“, hört, und einem gleich grossen, von goldener Rüstung geschützten Mann, welcher sich selbst den Namen Innos der Gerechte, "Gott der Natur“, gab. Dem Drachengeist, welcher sicher dreimal so gross war wie seine beiden Gefährten, wurde der Name Asgorath, "der Drachengott“, verliehen.

Da die Dunkelheit sich unendlich weit erstreckte, trafen die drei sich nicht so häufig. Was für Innos und Sonja nicht sonderlich schlimm war, denn die beiden verstanden sich nicht immer so gut. Dies ärgerte Asgorath natürlich, denn jedes Mal, wenn sie etwas zusammen erschaffen hatten, um die Langeweile zu vertreiben, endete es fast immer damit, dass Asgorath die beiden Streithähne auseinanderzerren musste.

Und so trieben die drei dahin, von nichts beeinflusst. Keine Zeit, die ihnen davonlief, und keine Verpflichtungen. Selbst wenn man heute Nacht den Himmel anschaut, kann man ein bisschen von den Dreien erhaschen. Es sind die farbigen Lichter, die über den kalten, klaren Nachthimmel in allen Farben tanzen. Auch wenn dies schön anzuschauen ist, sollte man doch nicht vergessen, was genau diese Lichter verursacht hat.

Als die drei nach ein paar tausend Jahren (was in ihren Augen nur ein Wimpernschlag ist) mal wieder aufeinandertrafen, zeigte Asgorath den beiden anderen eine Schuppe, die ihm während eines seiner Nickerchen ausgefallen ist. Sonja wusste genau, was Asgorath von ihnen verlangen würde, und sprach darum rasch ein paar Spielregeln aus "Ich werde dir meine Gabe der Entstehung geben, Asgorath, aber nur, wenn sich dieser Goldjunge im Zaum halten kann und er nicht an meinen Sachen herumpfuscht!“

Mit seinem unschuldigsten Blick und einer provozierend tiefen Verbeugung sprach Innos "Ich dachte, dies sei dir bekannt. Die Gabe der Natur wächst und gedeiht, wie es ihr beliebt, und einmal gestreut, kann sie nur noch durch das Gleichgewicht unserer Kräfte im Einklang gehalten werden. Ausser natürlich, du willst damit aussagen, dass du nicht mehr die Stärke besitzt wie früher.“ Mit einem herausfordernden Lachen in Richtung Sonja wandte er sich Asgorath zu. Innos schloss die Augen und führte beide Hände über die Schuppe. Diese fing augenblicklich an, grün zu leuchten, und dünne goldene Fäden, welche sich von seiner Rüstung lösten und in Spiralen um seine Arme schlugen, verschmolzen mit der Oberfläche der Schuppe.

Als Innos zurücktrat, stichelte Sonja ihn von der Seite an "Nur durch das Verbrennen und Zerstören alter Dinge kann etwas Neues und Stärkeres gedeihen. Es macht die Erde wieder fruchtbar, mit neuem Platz für noch unbekannte Sachen. Mit anderen worten ich denke du unterschätzt mich Maslos Goldjunge. Also geh mir aus dem Weg und stör mich nicht, sonst verbrennst du noch deine ach so hübsche Rüstung.“ Mit ausgebreiteten Händen trat Sonja näher, und rot-orange Funken strömten von ihr auf die Schuppe zu. Dort, wo sie auftrafen, verschmolzen sie mit der Oberfläche, und eine feine rote Wellenlinie zog sich über die leicht gewölbte Schuppe.

Dankend nickte Asgorath die beiden an und sprach "Ihr werdet dies sicher nicht bereuen, denn passt nun genau auf und erfreut euch an dieser Kleinigkeit.“ Und mit diesen Worten hauchte der große Drache in Richtung der Schuppe.

Sein Atem löste die oberste Schicht ab und brachte darunter das Ergebnis aller drei zum Vorschein: kristallblau schimmerndes Wasser, welches vier grosse Landflächen voneinander trennt, und auf jeder der vier Flächen gibt es die verschiedensten Dinge zu erblicken. Im einen klaffte ein grosses Loch, welches bis zum Wasser hin von Bäumen umschlossen war. Das große Land in der Mitte wirkt von allen am meisten grün, nur im unteren Bereich ragen grössere Berge auf. Bei den beiden anderen sieht man auf dem unteren Land wohin man auch schaut immer etwas anderes: Bäume, Seen, Berge und Täler. Nicht so wie beim letzten Fleck Land, dort erstreckt sich nichts ausser grossen Gebirgen, welche sanft abfallen.   

 

Durch einen weiteren Hauch erschienen plötzlich winzige Geschöpfe, die sofort begannen, umherzuirren. Dies waren die ersten humanoiden Bewohner Midgards. Elfen waren es, die von Beginn an auf Midgard wandelten und erste Siedlungen errichteten. Nach ihnen kamen die Zwerge, die sich in den Gebirgen in die Erde gegraben hatten und zahlreiche Stollen und Städte aus dem Fels hauten. Die Menschen und Halblinge erblickten etwa zur selben Zeit das Licht der Welt. Sie siedelten sich dort an, wo die Elfen sich noch nicht niedergelassen hatten. Als Letztes bildeten sich die Drachengeborenen, auch wenn ihre grossen Verwandten, die mächtigen Drachen, schon viel länger dort lebten. Sie wurden von Asgorath erschaffen, um als Diener der Drachen und als Bindeglied zwischen ihnen und den anderen Lebewesen in Midgard zu fungieren.

Wer jetzt dachte, die drei Götter hätten ihren Teil in dieser Geschichte erledigt, den muss ich leider enttäuschen. Denn es kam, wie es kommen musste, und der Frieden, in dem sie Midgard erschaffen hatten, zerbrach mit einem Knall. Kurz nachdem die Halblinge und Menschen ihre ersten Schritte machten, erledigte Innos eine Aufgabe mit zu viel Enthusiasmus und kam so Sonja in die Quere. Sie wurde aus dem Gleichgewicht gebracht, und ihr gebündelter Energiestrahl, welcher auf Midgard gerichtet war, rutschte unter die schwebende Schuppe. Es formte sich eine kegelförmige Form, welche sich durch eine leuchtende Spur mit der Schuppe verband. Die Spur bestand aus kleinen Partikeln, die von beiden Objekten abgegeben wurden. „Was habe ich dir darüber gesagt, dass du deine Finger bei dir behalten sollst, Innos!“, warf Sonja dem sehr konzentrierten Innos an den Kopf. Dieser zeigte keinerlei Regung und bündelte für sich seine Energie und richtete sie auf Midgard. Voller Hass und mit geballter Faust schlug Sonja in die Kniekehle von Innos. Dieser stiess einen kurzen Schrei aus und blickte sie voller Entsetzen an. „Was soll das, du undankbares Stück Restglut!“, fuhr er sie an. „Ach, ich mache nur das Gleiche, was du getan hast, du verunreinigter Klumpen Gold!“, antwortete Sonja mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen.

Asgorath beobachtete die zwei, bis die Anspannung beider zum Reissen nahe war. Noch bevor das wütende Anstarren in einen Kampf übergehen konnte, zog Asgorath die beiden auseinander und sagte mit friedfertiger Stimme „Bei jedem Streit, mit dem ihr beiden euch befasst, überseht ihr das Schöne, was durch Missgeschicke von beiden Seiten erschaffen wurde. Schaut doch einmal, was aus einem kleinen Unfall hervorgekommen ist.“ Und Asgorath deutete zur Schuppe, welche nun nicht mehr alleine vor ihnen schwebte. Das kegelähnliche Ding, was sich unterhalb der Schuppe mit dieser verbunden hatte, und weiter oben eine Art blau schimmernder Strudel, welcher von der gebündelten Energie, die Innos entsprang, als Sonja ihn in die Kniekehle geschlagen hatte, erschaffen wurde. Die drei Götter betrachteten die zwei neuen Dinge, und als Friedensvorschlag sprach Asgorath „Lasst uns doch diese zwei kleinen Unfälle als weitere Möglichkeiten sehen, in denen sich Leben entwickeln kann.“

So geschah es, dass sich in den neu erschaffenen Dingen langsam Leben bildete. Diese zwei erschaffenen Sachen werden später unter den Namen Muspelheim und Vanaheim in ganz Midgard bekannt sein. In Muspelheim leben nur grässliche Geschöpfe, denen nicht zu trauen ist. Diese „Welt“ besitzt neun verschiedene Schichten, welche durch einen endlosen Fluss miteinander verbunden sind, und wenn man den Gerüchten glauben darf, befindet sich auf der untersten Schicht der schlimmste aller Bewohner. Von dort aus überblickt er alles und jeden. Es heisst auch, dass er niemanden einfach so wieder ziehen lässt. Vanaheim ist bestimmt nicht weniger gefährlich, wenn nicht noch tückischer. Denn dort wandeln mächtige Wesen, die sich von Gefühlen, Gedanken, Schmerz und vielen weiteren Sachen ernähren. Sie sehen sich selbst als Gottheit, was von den Bewohnern Midgards allerdings nicht so gesehen wird. Für sie reichen diese Wesen nicht mal annähernd an die Macht von Asgorath, Innos und Sonja heran, darum werden sie von ihnen nur als „niedere Götter“ betitelt.

Mit dem Laufe der Zeit bildeten sich noch zwei weitere „Welten“ um Midgard. Denn die Zwerge in ihren tiefen Hallen und verzweigten Gängen stiessen eines Tages auf ein seltsames Gestein. Dieses hat die Fähigkeit, Magie in sich aufzunehmen und zu speichern. Mit den mächtigsten Zwergenzauberern erschufen sie somit bei jeder Zwergenstadt eine unsichtbare Mauer, die beim Überschreiten in jedem die Zeit um einiges langsamer fliessen lässt als in allen anderen „Welten“. Jedoch wird diese Legende ein anderes Mal erzählt, für das Erste sollte dieses Wissen über Svartalfheim (diesen Namen gaben die Zwerge ihrer Erschaffung) reichen.

Das gleiche gilt auch für die schwebende „Welt“ Asgard, in welche sich die Hochelfen, oder auch das Urvolk genannt, zurückzogen. Da sie mit den Machenschaften und dem Kriegstreiben der anderen Völker nichts zu tun haben wollten, hieften sie ihren Kontinent in die Luft, weit über Midgard hinaus, und liessen nur zwei Brücken bestehen, welche Tag und Nacht bewacht werden.

 

Bei ihm angekommen, trat sie mit aller Kraft gegen den sich aufraffenden Innos. Dieser wurde nach hinten geschleudert und blieb auf seinem Rücken liegen. „Bitte Sonja, tu das nicht, sonst muss ich mich einmischen und wir wissen alle, dass das euer beider Tod oder Schlimmeres bedeutet!“, donnerte Asgorath's Stimme von der Seite zu ihr. „Weisst du, wie scheiss egal mir das ist? Wenn nur endlich dieser Schrotthaufen dort für immer schweigt, ist mir das ein Kampf mit dir allemal wert!“, fauchte Sonja in Asgorath's Richtung.

Während Sonja und Asgorath diskutierten, schaffte es Innos, sich wieder auf seine Beine zu stellen, wenn auch schwankend. Blut tropfte aus der Wunde, wo der Speer ein durchgängiges Loch in sein linkes Bein gerissen hat, und seine vollkommene goldene Rüstung, wo vorher kein einziger Makel zu sehen war, ist nun übersäht von Dellen. Einzelne Teile der Rüstung fehlten sogar ganz, an diesen Stellen rann Blut an der Rüstung herunter. Die Wunden wurden von den Explosionen der Feuerkugeln verursacht, sie rissen die mit dem Körper verschmolzene Rüstung heraus und hinterliessen nur Dellen und russige Flecken. Innos hob seinen Kopf und spuckte Blut aus. Mit zitteriger Hand hob er sein Schwert auf Schulterhöhe und fing an, die Klinge erneut mit Blitzen aufzuladen. "Nur noch … ein … kleines … bisschen …", sprach er zu sich selbst, da ertönte die Stimme Asgorath's "Innos? Nein, hör auf damit!" Aber zu spät, der aufgeladene Blitz schoss aus seinem Schwert. Sonja, die keine Sekunde gezögert hatte, absorbierte den Blitz mit ihrem Feuerschild und schleuderte mit aller verbliebener Kraft die frisch erschaffene Feuergleve Richtung Innos.

Die Gleve teilte die Schwertklinge in zwei und bohrte sich in dessen Griff. Ein grelles weisses Leuchten erstrahlte an der Stelle, an der sich Gleve und Griff trafen, und mit leiser Stimme sprach Innos "Bis du mich findest, Schlampe, habe ich wider zu alter Kraft gefunden und werde auf dich warten." Mit diesen Worten und einem herausfordernden Grinsen erfasste das grelle Licht Innos komplett und fiel dann in sich zusammen, ohne etwas von ihm zu hinterlassen. Nur eine kleine leuchtende Kugel schwebte noch an der Stelle. Wutentbrannt schritt Sonja näher. "Nein! Du hinterhältiger, mieser, kleiner …", sie konnte den Satz nicht zu Ende führen. Denn die kleine Lichtkugel explodierte mit einer gewaltigen Wucht, gerade als Sonja diese berühren wollte, und schleuderte sie nach hinten. Das Einzige, was sie noch sah, waren vier Funken, die auf die Schuppe zutrieben und in Midgard verschwanden …

 

 

Asgorath blickte auf die völlig aufgelöste Sonja hinunter, sie beugte sich über die Schuppe und fluchte in sich hinein. Er konnte nicht alles verstehen und er dachte sich, dass es sicherlich auch besser so ist. "Und was hat dir der Kampf nun gebracht? Ehre? Genugtuung? oder Ruhe? Rein gar nichts hat es dir gebracht!", wagte Asgorath mit bedachter Stimme zu sprechen. Sonja fuhr herum und blickte ihn finster an. "Der Kampf ist auch noch nicht vorbei, dieser Feigling hat sich aus dem Staub gemacht! Bring mich sofort dort hinunter!", sie deutete auf die Schuppe, in der die vier Funken verschwunden sind. "Einen Teufel werde ich tun! Zumindest nicht ohne dir eine Lektion in Sachen Geduld und Entspannung zu erteilen." Falls es für Sonja möglich gewesen wäre, in ihrer Feuergestalt eine Augenbraue hochzuziehen, hätte sie es sicher getan. Darum schaute sie Asgorath nur verständnislos an, dieser lachte leise in sich hinein und sprach "Ich werde dich in die Welt verbannen, ich werde dich mit einem Zauber belegen, welcher dich für einige Zeit ausser Gefecht setzt, und ich werde dich vor allen Augen für so lange verbergen, wie es mir möglich ist. In der Hoffnung, dass du deinem Groll abgeschworen hast und ihr euch wider vertragen könnt. Ihr seid doch meine einzigen Freunde und ich kann euer Gestreite nicht ertragen."

Während Asgorath diese Worte sprach, formte er eine Kugel um Sonja herum und drückte sie immer kleiner zusammen. Als sie so klein wie möglich war, pustete er sie in Richtung der Schuppe und Asgorath blieb allein in der unendlichen Dunkelheit zurück. Er beobachtete, wie die kleine Kugel auf der Schuppe eintraf und so, sagt man, auf dem tiefsten Grund des Meeres einschlug und noch sehr viel weiter ins Erdreich vordrang, vergessen und vor allen Augen verborgen.

Aber für wie lange …

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